Wie fang ich nur an über Twizel zu schreiben, ohne das es wieder so ein negativer Artikel wird?! Vielleicht…:
Es war mal wieder ein typischer neuseeländischer Sonntag, als ich mit dem Bus bei strömenden Regen aus Mt Cook in Twizel an kam. Alle Geschäfte hatten geschlossen, weit und breit war kein Mensch zu sehen und sogar die paar Touristen schienen sich in ihre Zimmer eingeschlossen zu haben. Aber wenigstens hatte Twizel mit seinen knapp 1000 Einwohnern einen Geldautomaten und einen Supermarkt, was nach Tekapo und Mt Cook wirklich notwendig war, denn sowohl Geld- als auch Nahrungsreserven gingen dem Ende entgegen.
Meine Übernachtung im YHA hatte ich bereits aus Mt Cook gebucht und so bestand die erste Hürde erst einmal daraus dieses zu finden. Getarnt als riesen Motelanlage kam es dann daher und so wohnte ich in Twizel im Einzelzimmer in der Bettenburg. Auf die Frage, was man in der Stadt an einem Sonntag machen kann, meinte die Frau an der Rezeption nur „Nothing.“ Und gut erzogen wie ich nun mal bin, hab ich genau das auch gemacht. Mein Versuch zu einem See zu gehen, habe ich nach 30 Minuten wegen akuter Unlust abgebrochen, der Fernseher im Zimmer hat auch nicht funktioniert und so hab ich dann über Internet und die ZDF-Mediathek die Krimis vom Freitag geguckt (in Modemqualität versteht sich). Absolutes Highlight und Abschluss des Tages war eine Folge „Der Landarzt“, na ja was man sich nicht alles an tut im Motel in Twizel.
Insgesamt bildet Twizel das Schlusslicht der neuseeländischen Alpen Städte und muss nicht unbedingt besucht werden, wenn man nicht unbegrenzte Zeit hat. Im Winter sieht die Sache wohl schon anders aus, da von hier aus jede Menge Skipisten starten und die Unterkünfte im Vergleich zu Mt Cook relativ günstig sind. Für mich geht es nun über Weihnachten nach Norden in den Abel Tasman National Park und zu Neujahr dann in die Hauptstadt, da gibt es dann auch wieder mehr zu berichten als über Twizel.
Archive for the ‘Südinsel’ Category
Twizel, der letzte Tag im Landesinneren
12.22
Aoraki Mt Cook
12.18
Am zweiten Tag meiner Alpentour besuchte ich auch schon ein Highlight, den höchsten Berg Neuseeland. Mt Cook oder wie die Maori ihn nennen Aoraki.
Bei bestem Wetter kam ich im YHA in Mt Cook Village an. Die Wolken zogen über die Gipfel der schneebedeckten, umliegenden Berge und die Sonne gab ihr Bestes. Mt Cook Village ist mal wieder ein Dorf mit knapp 100 Einwohnern und 300 Gästen. Das Zentrum bildet das Edmunt Hillary Center mit einem Planetarium, einem 3D-Kino und einem angeschlossenem Hotel. Neben dem Center liegt das Informationszentrum des „Departement of Conservation“ (DOC), super ausgestattet und kostenlos kann man sich dort über die Alpen, Flora und Fauna informieren.
Nach den ganzen Informationen musste ich aber doch auch noch aktiv werden. So suchte ich mir also einen Track auf der Karte vom DOC und auf gings in die Berge. Ende vom Lied waren 2 St. Treppensteigen, da der Berg so steil war, dass Treppenstufen gebaut wurden um an die Spitze zu kommen. Mit einem Ausblick über das Tal und auf den Aoraki wurde man am Gipfel belohnt. Der sonnige Abstieg und das anschließende Bier im Mountain Café waren mir dann aber doch fast lieber.
Abends gab es dann mal wieder Pasta, zur Abwechslung mal den australischen Rolling Stone zu lesen und eine Fototour durch die Nacht.
Der nächste Tag begann mit strömenden Regen und so vertrieben wir uns die Zeit mit „Der Herr der Ringe“ bis der Bus nach Twizel abfuhr.
Auf in die Berge
12.18
Nach stürmischen Tagen an der Westküste bin ich über den Arthurs Pass zurück nach Christchurch gefahren. Dort habe ich dann erst einmal wieder das Stadtleben genossen. Endlich gab es einen Geldautomaten, Supermärkte und Starbucks, Dinge die man nach dem Leben an der Westküste doch irgendwie wieder zu schätzen lernt. Aber nach drei Tagen hat es mich dann wieder raus gezogen. Ziel waren dieses Mal die Berge.
Der erste Halt auf meiner Alpentour war Lake Tekapo, knapp 3 St. westlich von Christchurch und schon mitten in den Bergen. An einem blauen Bergsee liegt das kleine Dorf und bietet reichlich Möglichkeiten zur Erholung oder auch anderen (See-)Aktivitäten. Nach dem der Regen aufgehört hatte, bin ich auf den Mt John gewandert. Steile Wege durch Wälder und Nebelschwaden führten auf die Spitze, von wo die Aussicht auf das Dorf und den See wunderbar war. Nach Rückkehr ins Hostel gab es einen kleinen Lunch und danach ging es dann mal richtig entspannen. Die Hot Springs von Tekapo sind wirklich einen Besuch wert, allerdings lohnt es sich hier direkt die Sauna dazu zu buchen, weil man es in dem 38°C warmen Wasser eh nicht länger als 2 St. aushält und dafür 18$ doch recht teuer sind. Nachdem sich meine Haut von den Fingern abgelöst hatte, war es dann auch schon Abend.
Fotos machen, Zeitung lesen, Musik hören, an diese Abende habe ich mich nach der Westküste bereits gewöhnt und so konnte ich auch diesen Abend mit Seeblick entspannt verbringen, bevor es am nächsten Tag nach Mt Cook Village ging.
Die Westküste
12.13
In den letzten Tagen habe ich die kaum bewohnte Westküste Neuseelands erkundet. Dabei habe ich Halt in den größeren Städten gemacht, um am Ende mit der TranzAlpine über den Arthur’s Pass zurück nach Christchurch zu fahren.
Westport
Westport ist mit 11.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Westküste und, wie der Name schon sagt, für ihren Hafen bekannt. Mit ähnlich vielen Sonnenstunden wie Melbourne und vielen Naturschutzgebieten versucht, die durch die Kohleindustrie groß gewordene Stadt, Touristen an zu ziehen. Seit einigen Jahren versucht Westport sich mit Queenstown zu messen und bietet ebenfalls Jetboat, Raffting und Skydives an.
Mein Bus ist am späten Nachmittag angekommen und nach keinen 5 Minuten in der Stadt hat der Regen angefangen. Im Regen habe ich dann die Stadt etwas genauer angeschaut, viele kleine Läden entdeckt, die allerdings schon 17 Uhr ihre Türen schließen. Um an den Strand zu kommen, muss man schon einen längeren Fußweg in Kauf nehmen und der Hafen besteht lediglich aus einem Kohleterminal und einem kleinen Steg für Sportboote. Leider hat sich hier die Beschreibung in den Reiseführer wieder einmal besser angehört, als die Stadt in Wirklichkeit ist. Vielleicht war auch nur das Wetter schuld, denn es regnete bis zu meiner Abreise am nächsten Mittag durchgängig.
Punakaiki
Man sollte schon etwas Zeit und gutes Wetter mitbringen, um Punakaiki nicht nur wegen der Panecake Rocks zu schätzen. Natürlich sind die Gesteinsformationen das Aushängeschild und der Touristenanziehungspunkt der kleinen Stadt, da allerdings jeder Bus für mindestens 30 min. am Eingang des Rundganges hält, muss man nicht unbedingt einen Tag oder eine Nacht in Punakaiki verbringen um diese zu sehen.
Neben den Panecake Rocks gibt es einen Westküsten typischen Strand, an dem sich zum Abend Backpacker und Einheimische zum Sonnenunterganggucken treffen. Dabei weht immer ein starker Wind und treibt die Wellen bei Flut gegen die Felsen, welche die Häuser vom Strand trennen. Ist man lange genug am Strand spazieren gewesen, bietet sich zur Abwechslung einer der zwei Tracks durch den Urwald an. In knapp 3 St. soll man den Looptrack geschafft haben, dabei kommt man auf dem Rückweg am Punakaiki Cave vorbei, einer Höhle in der Glühwürmer leben. Gegen 23 Uhr sind dann alle Hostelgäste mit Taschenlampen bewaffnet in die finstere Höhle geklettert, um einige Glühwürmer an der Decke zu beobachten.
Punakaiki ist also für jeden mit etwas mehr Zeit und Muse ein Tipp für ein oder zwei entspannte Tage und bietet eine gute Zwischenstation auf dem Weg von den Gletschern zum Abel Tasman.
Greymouth
Greymouth ist die größte Stadt an der Ostküste, kommt allerdings ähnlich ruhig und mit, vom Kohleabbau geprägtem, industriellen Flair daher wie Westport oder Hokitika. Innerhalb von zwanzig Minuten ist man am Strand, in den zwei Hauptstraßen gibt es einige Shops und Cafés und am Abend bietet die Monteights Brewery und zahlreichen Pubs die Möglichkeit sein Geld in Flüssigkeit zu investieren.
Würde es Greymouth nicht geben, man würde es nicht vermissen. Für die Entwicklung Neuseelands und für die Menschen an der Westküste ist und bleibt diese Stadt allerdings Dreh- und Angelpunkt und hat damit auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung.
Westküste insgesamt
Die Westküste Neuseelands bietet die stärksten Gegensätze. Mit den Alpen im Hintergrund peitschen meterhohe Wellen an die rauhe Küstelinie. Einige vergleiche die Küste mit der französischen Bretagne, in dieser Form kann sie aber nur in Neuseeland existieren und spiegelt die neuseeländische Natur wie kein anderer Teil des Landes wieder.
Zu Besuch beim Kaiser – Franz Josef Gletscher
12.09
Ein neuseeländischer Gletscher der nach Kaiser Franz Josef I. von Österreich benannt ist, weckt schon beim Lesen der zahlreichen Broschüren großes Interesse bei fast allen Neuseelandreisenden.
Mit dem Bus 6 St. von Wanaka entfernt liegen die beiden Gletscher Franz Josef und Fox und bilden die Verbindung zwischen Westküste und Southern Alps. In den beiden Städten, die nach ihren Gletschern benannt sind, ist alles auf den Tourismus ausgelegt. Ständig starten und landen Helikopter, man sieht Menschenmassen in Gletscheroutfit und mit Steigeisen in Busse steigen und die zwei Straßen der Stadt bestehen komplett aus Hostels, Motels und Souvenirläden. Am Tag nach meiner Anreise habe auch ich eine Gletschertour gebucht. Einen ganzen Tag im Eis hatte ich mir vorgenommen und bereits um 8 Uhr ging es los. Socken, Schuhe, Steigeisen und Regensachen stellte der Veranstalter und nach knapp eine halben Stunde Schuhe probieren ging es dann im Bus zum Gletscher. Knapp 10 Minuten dauert die Fahrt, bis man durch einen kleinen Buschweg zum Fuß des Gletschers kommt.
Wenn man vor ihm steht, dann wirkt er ziemlich klein und nicht so imposant wie man sich ihn vorgestellt hatte, aber so wie man die Steigeisen an gezogen hat und die ersten Schritt im Eis macht, bekommt man ein Gefühl für die über 2000m Höhenmeter des Gletschers. Über das Eis, durch Gletscherspalten, Löcher in den Wänden und über die vom Guide geschlagenen Treppenstufen ging es für 4 Stunden den Gletscher hinauf. Nach diesen 4 Stunden befindet man sich laut Guide auf einem zehntel der Höhe des Gletschers. Ab einer bestimmten Höhe ist der Gletscher so zerklüftet, dass man nur sehr langsam Höhenmeter macht, indem man horizontal durch die Spalten klettert und nach Möglichkeiten der Überquerung sucht. Nach insgesamt 6 St. im Gletscher und mit ziemlich lahmen Füßen kamen dann alle 28 Bergsteiger wieder in der Basis an. Anschließend ging es für den Großteil der Gruppe noch in die Hot Pools, wo es freien Eintritt für alle gab. Bei 36, 38 und 40°C warmen Wasser konnte man den Tag ausklingen lassen und sich von den Strapazen der Wanderung erholen.
Insgesamt hat die Gletschertour Spaß gemacht und war die 180$ auch wert, allerdings hätte man auf den Großteil der Pausen verzichten können. Es ging doch ziemlich schleppend den Gletscher hinauf und für einige Schweizer war das schon eine Enttäuschung, da der Gletscher wohl nichts Besonderes im Vergleich zu Europäischen bietet. Außer der Gletschertour gibt es in Franz Josef nix zu sehen, also auch wieder eine Stadt die in die Kategorie „Angucken, weiterfahren“ fällt.
Nach dem kurzen Aufenthalt in Franz Josef geht es für mich nun die Westküste weiter nach Norden durch die kleinen Städte Westport, Punakaiki und Greymouth.