Bei gutem Wetter soll das Tongariro Crossing auf der Nordinsel zu den schönsten Tageswanderungen Neuseelands zählen. Und so ist es kein Wunder, dass jeder Flachlandeuropäer sich in dieser Tour versucht.
Morgens 5:40 Uhr steht der Shuttlebus vor der Tür und holt mich direkt vom Hostel ab. Nächste Station ist dann das X-Base (Low-Budget-Party-Hostel), wo ca. 20 in Unterhemd, bzw. Top und Badehose gekleidete, noch leicht angetrunkene Menschen den Bus betreten. Während die Einen mit einigen Litern Wasser die Spuren der letzten Nacht zu beseitigen versuchen, tönen die Anderen schon über all die Sidetracks die sie ja machen wollen. Ich frage mich allerdings ob sie ihre Surfboards vergessen haben, oder diese direkt am Gipfel des Mt Tongariro ausleihen.
Nach 1,5 Stunden Fahrt beginnt die Tour und man hat insgesamt knapp 8 St. für die 19 km Zeit um den letzten Bus zu erwischen. Also nicht lang schnacken und los laufen. Mit dicken grauen Wolken über mir geht es auf dem ersten Stück noch ziemlich flach daher, der Busfahrer meinte: Es wird windig. Bis man dann die Sodasprings erreicht und es in Richtung Devil’s Staircase geht. Die Staircase sind eine von zwei Steigungen im Track, der sonst eigentlich immer gemächlich bergab geht und aus gutem Grund von den Veranstaltern in dieser Richtung angeboten wird. Nach kaum 5 Minuten auf dem Devil’s Staircase zogen sich die Wolken zu, der Wind frischt auf und die Sicht ist auf unter 50 m beschränkt. Nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte, aber für ein Alpin Crossing doch ganz ok. Mit jedem Höhenmeter nimmt die Temperatur ab und der Wind zu. In dicker Jacke, Funktionsklamotten und mit ausreichend Verpflegung sind es nur die Hände die Probleme mit der Kälte haben. Ob die X-Base-Menschen mittlerweile den Surfshop auf dem Mt Tongariro gefunden haben?
Auf dem höchsten Punkt ist die Wanderung dann nur noch ein Stop‘n‘Go von einem Windschutz zum nächsten. Doch ganz oben angekommen, wurde ich dann doch noch mit einigen Minuten relativ klarer Sicht auf die Seen belohnt. Weiter geht es dann durch eine mondähnliche Landschaft, in der man den Wanderweg nur durch die Stangen im Boden erkennen kann.
Irgendwann geht‘s dann bergab und hier sind ganz klar, die alten Wanderhasen im Vorteil. Mit hohen Wanderschuhen und -stöcken carven sie sich durch das lose Geröll nach unten. Wer versucht das nach zu machen, landet früher oder später auf der Nase und hat noch Wochen später Andenken in den Schuhen.
Die letzten 1,5 Stunden des Crossings sind dann doch relativ easy going. An der Hutt verdrückt jeder nochmal sein letztes Brot, bevor es vorbei an Schwefelquellen und durch den Dschungel zum Parkplatz geht. Hier heißt es dann warten… und warten… bis irgendwann der Bus kommt… der Erste voll ist… und man wieder warten muss… bis der nächste Bus zwei Stunden später abfährt… Am Ende bin ich 4,5 St. gewandert und habe 4 St. auf den Bus gewartet.
Tongariro Crossing also auf jeden Fall die Anreise wert, vorher unbedingt das Wetter checken und lieber zwei Tage mehr Zeit mitbringen um dann wirklich bei Topbedingungen wandern zu können. Leider gilt hier das Gleiche wie im Abel Tasman, es ist wirklich total überlaufen. JEDER macht diesen Track und genau so sieht es dann auch aus, gerade nach einigen Tagen Regen, geht es am ersten guten Tag dann für umso mehr Menschen los.
Was ist eigentlich aus den X-Base-Menschen geworden? Die waren die letzten im Bus, weil sie versucht haben die Sidetracks zu machen, nach einer Stunde dann gemerkt haben, dass es nicht möglich ist. Für sie war im Bus dann erst einmal schlafen angesagt und am Abend bestimmt noch das ein oder andere Bier auf ihr Überleben.